Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Dienstag, 20. Juni 2006 (04:45 CEST)

Heute eine Geschichte aus eher schlechten Zeiten.
Habe die Nacht mit Fieber und Durchfall verbracht
und habe keine Anstalten gemacht zur Schule zu gehen.

Beste… Gelegenheit einmal in Japan einen
Arzt zu besuchen, man sieht ja sonst nichts
vom Land. In Japan geht man nicht einfach nur
zum Arzt: Man geht zur “Internal Medicine Clinic”.
Ein Empfang mit drei Arzthelferinnen.. oder sagt
man hier Schwestern(?) und drei Türen.
Eine Tür betitelt mit “Examination Room” und
eine mit “Treatment Room”, wofür die dritte
war bleibt im Raum stehen.
Natürlich entledigt man sich auch hier am
Eingang seines Schuhwerks, meldet sich am
Empfang an und wartet dann in einer Art Lobby,
ausgestattet mit diversen Zeitschriften und
einem Fernseher, auf den Einlass in den
Examination Room. Der Arzt spricht erfreulicher-
weise ein klägliches Englisch sodaß mein Leiden
irgendwie dann doch erklärt werden kann.
Interessant ist die Arbeitsweise des Arztes:
Patient und Arzt sitzen längsseits seines
Schreibtisches auf dem sowohl ein Desktop-PC
als auch ein Notebook stehen.
Ich habe also freien Blick auf die Software
des Arztes und kann seine Eintragungen genau
beobachten. Mit einer Art “Mini-Paint”-Software
wird dann in einer Grafik eingefärbt wo genau
mein Problem liegt, nachdem ich vom Arzt etwa
10 Minuten lang auf dem Bauch ziemlich hart
abgetastet wurde. Nichts für weiche Knochen.
Und als hätte ich es geahnt kommt auch prompt
die Diagnose: “Bakterielle Vergiftung”
hervorgerufen durch schlechtes Essen.
Gedanken an das frühere, frühe 21. Jahrhundert
schießen in meinen Kopf, als ich mich
mit eben so einem Leiden erfolgreich auf
einer hemmungslosen, jugendzersetzenden und
vorwiegend männlich dominierten “LAN-Party” dem
drohenden Moralverlust alias known as Wertewandel
entziehen konnte. Soviel dazu….
Nach der Behandlung gibt es dann das Rezept für
etwa 6 verschiedene Medikamente und …
ja.. und die nicht zu knappe Rechnung.
Und als wäre es nicht genug damit getan befindet
sich gleich gegenüber eine, für den Intellekt eines
durchschnittlichen Europäers KEINESFALLS auch nur
annähernd irgendwie erkenntlich gemachte, Apotheke
in der mir die Medikamente für etliche Yen dann
auch noch überreicht werden.

Ich meine: Welche Erwartungshaltung habe ich
wenn ich vor einer Apotheke stehe?
Merkmale die diese als ebensolchige ausgeben!
Vielleicht ein Kreuz, oder eine Schlange oder
ein großes “A” oder von mir aus auch “P”, ja
als gebildeter Mensch könnte einem sogar ein
Halbmond weiterhelfen.
wer aber, erwartet das die Apotheke eine kleine
niedliche Katze als Maskottchen hat und man so
den Eindruck gewinnt:
“mmh… Große Lettern über diesem Haus verkünden
etwas das ich nicht lesen kann, aber dieses
Katzen-Logo daneben - alles klar, das muss eine
Tierhandlung sein.”
Gut das mich mein “Otosan” begleitet und ich
eigentlich nur hinterherlaufen muss. Dinge wie:
“Gut das ich zumindest schon laufen gelernt habe!”
schiessen einem dann in den Kopf.

Es grüßt kurz und knapp
Christoph


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