Von Ampeln und sonstigen Dingen
10.06.2006, Japan, in meinen Augen
mittlerweile auch Land der Sicherheit
genannt. Am Freitag Abend gab es in Kanazawa
ein Event zur Vorbereitung auf das
Hyakumangoku Festival das Samstag
und Sonntag stattfindet.
Auf einem Fluss wurden Laternen ausgesetzt und
runtertreiben lassen, ein Riesenspektakel!
Sooo viele Leute waren da, überall gab es
Spezialitäten, Kimonos und interessante Dinge
zu sehen.
Bevor wir zu dem Festival aufbrachen, wollte
ich meine Notebook Tasche und den Kram, bis
auf den Regenschirm und die Kamera, im Rifare
Building lassen um mit Aaron, Cedric und
Franca zum Festival zu gehen. Also ab in den
Fahrstuhl, der mich natürlich freundlich
begrüßt und in den 4. Stock gefahren
( in Deutschland wäre dies der 3. Stock,
in Japan gibt es kein Erdgeschoss, nur
den 1. Stock und so weiter ), die
Tür geht auf und ein gewohntes Bild tut
sich mir auf: Ein Japaner schläft mit
dem Kopf auf einem Notebook, niemand
nimmt Notiz, ich verstaue meine Tasche
unter dem Eurocentres Desk und gehe.
Hier klaut niemand etwas. Man mag es
nicht glauben aber die Japanische Gesellschaft
kennt das Wort “Vertrauen” wirklich noch.
Wer mit einem Bus fährt kann keine Karten
beim Fahrer kaufen oder Geld wechseln,
wer bezahlen will kann einfach das Geld
mitsamt der Karte in eine Dose beim Ausstieg
werfen. Es wird schon stimmen. Im Bahnhof
wird meine Karte durch bloßes Abnicken
der an den Ein- und Ausgängen postierten
Kontrolleure geprüft. Toll!
Sprich mit mir!
In Japan macht irgendwie alles Geräusche,
angefangen bei den Ampeln die mit einer
Musik ankündigen das man gehen darf, über
Bahnhöfe in denen einfahrende Züge mit
akustischen Signal UND einer Durchsage
angekündigt werden ( an dieser Stelle ein
großes Lob an die Pünktlichkeit der Japanischen
Eisenbahn, ich kann meine Uhr danach stellen,
das ein Zug der um 08:21 Uhr losfährt, auf
die Sekunde genau die Türen schließt und
5 Sekunden später losfährt ), in Fahrstühlen
wird man von einer Stimme begrüßt die auch
noch jedes Stockwerk in dem gehalten wird ansagt.
JA und gestern ist es passiert: Sogar von einer
Ampel wurden Aaron und ich angequatscht.
Problem nur: Was will uns diese Ampel mit einem
Kasten und einem Knopf darunter mitteilen!?
Minutenlang stehen wir mit offenem Mund vor
der Ampel und als gekonnt unerfahrener
Europäer blicken wir uns erstmal ratlos
um, bis ein gnädiger Passant uns bedeutet,
wir sollen einfach den Knopf drücken.
Und siehe da: Die Ampel wird grün.
1:0 für die Ampel, aber wir kommen wieder!
Endlich haben wir auch mal einen Japaner
kennengelernt. Massa-san der in Californien
studiert hat sprach uns auf dem Festival
einfach an, weil zwei große Nicht-Japanisch
aussehende Leute hier ja nicht gerade normal sind.
Er bot uns an mit Ihm später mal ein Starbucks zu
besuchen und ein wenig herumzuführen, was wir
freudig annahmen.
Es gibt Sie also doch, Japaner die Englisch können.
Toll war auch die Reaktion seiner Frau als wir
vorgestellt wurden:
Aaron, Amerikan-jin: “Aha.”
Christoph, Doitsu-jin: “Ohhh….. Doitsu….*sich
erstmal für ein paar Minuten nicht mehr einkriegt*
Irgendwie ist das was besonderes hier, ich vermute
es liegt an der Entfernung, gibt aber ein
richtig gutes Gefühl
Soviel für mich, soviel für euch.
Ich gebe ab zur Werbung.
Gruß aus Nihon,
Christoph






Huhu Christoph *wink*
Les hier gerade deine Berichte - RESPEKT
Viel Spaß noch dahinten - hast ja noch ne Weile Zeit
Haste schon alle Japaner von mir gegrüßt???
Und wenn du schonmal dabei bist - grüß mal so ne sprechende Ampel.
Gruß
Schumi
Die Geschichte von einem Land in welchem man keine Türen abschließt und Notebooks ohne Probleme unbeaufsichtigt irgendwo zwischen lagern kann wage ich kaum zu glauben. Wahrscheinlich muss man das erst selbst einmal erlebt haben bis man es fassen kann.
Ist sicher auch eine lustige Sache die Welt begonnen von den Ampeln *g* wieder neu zu entdecken und sich dann tierisch darüber zu freuen wenn man wieder etwas ohne fremde Hilfe herausbekommen hat.