Geschrieben am: Sonntag, 18. Juni 2006
Tokyo, den 18.06.2006 - Ich befinde mich in einem
mit bequemen Sofas ausgestatteten Wartehalle und
harre der Dinge die da kommen. Um genauer zu sein:
Ich warte auf den Max Toki 333, einem Japanischen
Shinkansen der mich blitzschnell ( Na ja, zumindest
“ganz schön schnell” ) von Tokyo nach Echigo-Yuzawa
bringt. Mein Aufenthalt in Tokyo war … so lala …
Leider habe ich wohl abends in einem Restaurant etwas
gegessen was mir nicht gut bekommen ist und so
ist aus dem 2 Tages Trip ein SUPERTOLLER und
ein ziemlich schlechter Tag geworden. Tokyo nur für
2 Tage zu besuchen ist eh schon ein Verbrechen für sich.
Dann aber noch an einem Tag einen verstimmten Magen
zu haben ist wirklich mehr als ärgerlich.
Unsere hochgesteckten Ziele was wir nicht alles
besichtigen wollten waren eindeutig zu hoch angesetzt.
Doch zuerst zu den erfreulichen Dingen der Tour:
Tokyo ist voller hilfsbereiter und englisch-sprechender
Menschen, mag man kaum glauben - ist aber so.
Schon bei der Ankunft am Bahnhof, als wir uns noch
hilfesuchend nach der Richtung umschauen bot sich
ohne gefragt worden zu sein ein Japaner an uns den
Weg zu zeigen und noch ein paar Tipps zu geben.
Zwei Stunden später führt uns ein zufällig nach der
Richtung gefragter Japaner in bestem Englisch zur
20 Minuten entfernten Post und gibt uns beste
Restauranttipps. “Er hätte eh gerade Feierabend”
wird uns zu verstehen gegeben. Wir sind begeistert!
Frisch mit Geld und schmackhaftem Essen versorgt
geht es weiter nach Shibuja dem jungen trendigen
Viertel. Das ganze in Worte zu fassen ist quasi
unmöglich. Café an Café, Restaurant an Restaurant,
Vergnügung pur. Riesige Menschenmassen wälzen sich
bei grün über die Straße und bleiben doch wieder
stehen wenn es rot wird. Riesige Monitor auf den
Wolkenkratzern bedeuten uns freundlich doch bitte
schön hier etwas zu konsumieren.
Unser Hotel “Fukudaya” ist .. na ja.. äußerst
Japanisch eingerichtet. Sehr kleines Zimmer
plus ein noch kleineres Zimmer für Teezubereitung.
Eine Gemeinschaftsdusche auf dem Gang und von der
Winz-Toilette sprechen wir am besten gar nicht erst.
Doch der Hotelbesitzer ist äußerst bemüht, wenn auch
etwas schrobig. WLAN gibt es im Hotel for lau und
der krönende Abschluss des Eincheck-Vorgangs:
Der Hotelbesitzer verkauft an Gäste sehr günstig
( 2.500 Yen ) Kimonos. Gesagt, getan, seid heute
bin ich im Besitz eines echten Kimonos - STARK!
Später abends Besuch eines Vergnügungscenter in dem
die neuesten Automaten-Spiele gespielt werden können.
Wer jetzt denkt das wäre Technik aus dem letzten
Jahrhundert, der irrt gewaltig.
Grafik und Spieltechnisch können diese Automaten
ohne Probleme mit Computerspielen mithalten.
Vom komplexen Online-Rollenspiel bis zur
Pferderennsimulation oder den allseits
beliebten Dating-Games ist alles vorhanden
was Japans hippe Jugend konsumieren gelassen
wird. Siehe Bilder in der Gallerie.
Dann Besuch in Akihabara dem Technikviertel von
Tokyo - man fühlt sich einfach nur zuhause.
Einige CDs, DVDs und Hardwarekäufe später
fangen die Tragetaschen an zu drücken.
Scherz beiseite - Akihabara hat zwar quasi alles
und meißtens auch verglichen mit deutschen Preisen
ziemlich günstig, aber trotzdem kann man sich kaum
etwas leisten. Ein iPod G5 für 200 Euro ist toll,
aber die muss man auch erstmal über haben.
HD-DV-Kameras und BlueRay-Discs sind nichts für
arme Japan Touristen. Aber trotzdem habe ich mir
ein wenig gekauft: Eine Anime-DVD und eine
eine echte, ziemlich günstige, Japanische
Tastatur von Logicool. Ja, richtig gelesen:
“Logicool” - das scheint der Name zu sein unter
dem “Logitech”, der bekannte Maus- und Tastaturen-
hersteller, in Japan seine Produkte vertreibt.
Ich denke mit der Tastatur wird es etwas einfacher
auch Japanische Texte zu schreiben wenn ich wieder
in Deutschland bin.
Tag 2 in Tokyo nach einer kaum geschlafenen Nacht,
mir geht es ZIEMLICH schlecht, quasi ein echtes
“Morgengrauen”. Erstes Tagesziel: Besuch des
Meji-Schreins. Nach etwa 20 Minuten U-Bahn Fahrt,
hier nochmals ein Lob auf die Japanische Pünktlichkeit
wobei das in diesem Umfeld wirklich keine Rolle spielt,
denn etwa alle 3 Minuten hält eine neue U-Bahn zum
gewünschten Ziel, kommen wir im großen Yuyugi Park an.
Beeindruckender Bau, 1500 Jahre altes Holz wurde im
Eingangstor verwendet und doch wird man das Gefühl
nicht los, weniger in einem heiligen religiösen Schrein
zu verweilen, denn mehr in einer Touristenattraktion
und einer Anlaufstelle für arrangierte Hochzeiten,
denn auch heute noch suchen manche Japanische Familien
die Braut oder den Bräutigam für eine Hochzeit aus.
Da kann man nur noch sagen: “Wo die Liebe hingefallen
lassen wird.”
Europäer, Amerikaner und sonstige sind hier kaum noch
etwas besonderes - selbst ein deutsches Paar haben wir
gesehen. Trotzdem haben Japaner es irgendwie drauf
immer wieder von neuem überrascht zu sein von
unvorbereitet erscheinenden Europäer.
Wenn die nur nicht so starren würden…
Ich glaube letztlich kann man mit Fug und Recht
behaupten ein eigener Urlaub nur für Tokyo ist
durchaus anzuraten, aber niemals die Reistetabletten
vergessen.
Als letztes wollte ich noch eine kurze Begegebenheit
schildern die SO wohl nur in Japan passieren kann:
Während meiner Zugfahrt zurück nach Kanazawa sitzt
vor mir eine kleine Familie. Vater, Mutter und 2 Töchter.
Die jüngere der beiden Töchter, etwa 6 Jahre alt, trägt
niedliche kleine Stoffohren im Haar und wirkt in ihrer
Erscheinung so zierlich und niedlich ( Japaner sagen kawai )
das eine Frau aufsteht und unter tausend Entschuldigungen
um ein Bild von der kleinen bittet. Der Wunsch wird prompt
erfüllt, die Frau macht eine Foto mit .. klar .. ihrem
Photohandy und man kann mit Worten kaum beschreiben
welch stolzes Gesicht der Familienvater danach zog.
Ja, hier hat Familie wirklich noch einen anderen
Stellenwert.
Halb begeistert und halb verstimmt gebe ich an die
angeschlossenen “Kommentäre” ab und wünsche frohes
Genießen der, der Tageszeit entsprechenden, Mahlzeit.

Und hier noch Akihabara in voller Pracht
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